Boarischer Rummel. Widerstand formiert sich

Maximilian II. Emanuel (Ludwig Maria Joseph Kajetan Anton Nikolaus Franz Ignaz Felix, kurz Max Emanuel; * 11. Juli 1662 in München; † 26. Februar 1726 ebenda) war seit 1679 Kurfürst von Bayern. Während des Großen Türkenkrieges machte er sich als Feldherr in kaiserlichen Diensten einen Namen. Die Osmanen nannten ihn wegen seiner blauen Uniformjacke, die weit über die Schlachtfelder zu sehen war, den Blauen König. Sein großer Ehrgeiz veranlassten ihn zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges ein Bündnis mit den Franzosenkönig Ludwig XIV. gegen den Kaiser einzugehen. In französischen Diensten wollte er 1703 Tirol erobern und scheiterte.  Nach der Schlacht von Höchstädt von 1704, wo ein alliiertes Heer aus Kaiserlichen unter Befehl von Prinz Eugen von Savoyen sowie der Engländer unter dem Befehl des John Churchill, 1. Duke of Marlborough die Truppen der Franzosen unter dem Befehl von Marschall Tallard und der Bayern unter dem Befehl von Kurfürst Maximilian II. Emanuel, vernichtend geschlagen hatte, musste er Bayern verlassen. Im Jahr 1706 wurde über ihn sogar die Reichsacht verhängt. Nach dem Ende des Krieges konnte er seine Herrschaft in Bayern wieder antreten.
Maximilian II. Emanuel (Ludwig Maria Joseph Kajetan Anton Nikolaus Franz Ignaz Felix, kurz Max Emanuel; * 11. Juli 1662 in München; † 26. Februar 1726 ebenda) war seit 1679 Kurfürst von Bayern. Während des Großen Türkenkrieges machte er sich als Feldherr in kaiserlichen Diensten einen Namen. Die Osmanen nannten ihn wegen seiner blauen Uniformjacke, die weit über die Schlachtfelder zu sehen war, den Blauen König. Sein großer Ehrgeiz veranlassten ihn zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges ein Bündnis mit den Franzosenkönig Ludwig XIV. gegen den Kaiser einzugehen. In französischen Diensten wollte er 1703 Tirol erobern und scheiterte. Nach der Schlacht von Höchstädt von 1704, wo ein alliiertes Heer aus Kaiserlichen unter Befehl von Prinz Eugen von Savoyen sowie der Engländer unter dem Befehl des John Churchill, 1. Duke of Marlborough die Truppen der Franzosen unter dem Befehl von Marschall Tallard und der Bayern unter dem Befehl von Kurfürst Maximilian II. Emanuel, vernichtend geschlagen hatte, musste er Bayern verlassen. Im Jahr 1706 wurde über ihn sogar die Reichsacht verhängt. Nach dem Ende des Krieges konnte er seine Herrschaft in Bayern wieder antreten.

 

Da Boarische Rummel.

Juli 1703: Widerstand formiert sich

Im Mai 1703 war es einem französischen Heer von 30.000 Soldaten gelungen, sich in Bayern mit 20.000 Soldaten des Kurfürsten Max Emanuel zu vereinen. Der Kurfürst wollte dem „Haus Österreich“ Tirol entreißen, um dann gemeinsam mit einer in Norditalien stehenden französischen Armee vorzugehen. In Norditalien kämpften die Franzosen gegen Feldmarschall Prinz Eugen von Savoyen. Seine Armee sollte vernichtet werden. In einer „Zangenbewegung“ entlang der Donau im Norden und über das Pustertal im Süden, wollte Kurfürsten Max Emanuel den Krieg dann ins übrige Österreich tragen. Der ehrgeizige Kurfürst wollte beim Kaiser für Bayern die Königskrone erzwingen.

Am 17. Juni 1703 erschien Kurfürsten Max Emanuel mit rund 11.500 Soldaten an den vordersten Verteidigungswerken der Festung Kufstein. IN kürzester Zeit eroberte er den Großteil Nordtirols. Der prächtige Einzug der im Kampf gegen die Türken erprobten bayrischen Soldaten – zuerst in Hall und dann in Innsbruck – machte mächtigen Eindruck. So manche Aufschriften der bayrischen Standarten und Fahnen fand Eingang in die Tiroler Geschichtsbücher: Zum Bild des Bären, zum Kampf aufgerichtet, die Leitsprüche: „in vulnere crudelior“ (erst verwundet, werde ich richtig zornig!) und „nec sanguine satior“ (mein Blutdurst ist unersättlich!). Der Kurfürst gedachte versöhnlich und schonend mit dem eroberten Land umzugehen. Die Bedürfnisse seiner Armee und seine chronisch leeren Geldkassen erforderten jedoch hohe Naturalleistungen und Geldkontributionen. Während sich die Nordtiroler Beamtenschaft zumeist in die Maßnahmen des neuen Herrn fügte, kam es in der Bevölkerung alsbald zu Unruhen. Diese erfuhren dadurch besondere Nahrung, als die „oberen Gerichte“ und alle Kreise südlich des Brenner nicht unter bayrische Kontrolle gebracht werden konnten.

Dem bayrischen Bären wird der Pelz gewaschen

Bereits am 27. Juni hatten reitende Kammerboten mit den in Innsbruck ausgefertigten bayrischen Kontributionsforderungen Bozen erreicht. Das Erstaunen über die unverschämten Forderungen des Kurfürsten war nicht größer, als der darüber entbrannte Ärger. Die Kammerboten wurden kurzerhand verhaftet und die bereits in Bozen versammelten Aufgebote aus dem Etschland samt dem Aufgebot der Stadt Bozen brachen noch am gleichen Tag nach Brixen auf. Dort vereinigten sich diese mit den Aufgeboten aus dem Burggrafenamt, dem Eisackviertel und dem Pustertal. Am Brenner errichtete man Verteidigungsschanzen; Scheiben- und Scharfschützen besetzten die Talseiten. Den Bayern, die sich am Brenner den andrängenden Südtirolern in den Weg stellten, wurden hohe Verluste zugefügt.

Um sein eigentliches Kriegsziel, nämlich die Vereinigung mit der Französischen Armee in Oberitalien zu erreichen, musste Kurfürst Max Emanuel denTiroler Widerstand am Brenner brechen. Die Wagen mit Verwundeten, die vom Brenner her in Innsbruck eintrafen und die fehlende Kunde vom Verbleib des Expeditionskorps, das zur Besetzung des Passes Finstermünz ausgesandt, jedoch am 1. Juli zwischen Potlatz und Landeck aufgerieben oder gefangen genommen war, ließen nichts Gutes vermuten. Am vierten Juli trafen in Innsbruck 4.000 Mann weiterer bayrischer Truppen zur Verstärkung ein, die über Scharnitz und Seefeld eingerückt waren. Diese wurden sogleich in das Wipptal abkommandiert. Aber am Brenner fand der Vormarsch des Feindes sein Ziel. Hier wollte nichts mehr gelingen. Täglich sah man vom Brenner Verwundete nach Innsbruck zurückkehren. Am 7. Juli inspizierte der Kurfürst persönlich im Wipptal seine Truppen. Am 11. Juli trafen weitere 3.000 Mann französische Truppen in Innsbruck ein, von denen ein Teil gleich zum Brenner geschickt wurde. In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli wurden auch noch 2.000 Dragoner dorthin entsandt.

Was die Dragoner gegen die aus gedeckter Stellung operierenden Landesverteidiger ausrichten sollte, wurde zu spät überlegt. Mit ihren prächtigen Uniformen und hoch zu Ross bildeten diese in den Engen des Wipptals die bevorzugten Ziele für die Schießkünste der Tiroler Scharf- und Scheibenschützen. Noch am Abend des Folgetages brachten die Rückfuhren eine solche Menge Verwundete aus dem Tal heraus, dass die Versorgungsstellen in Innsbruck und Hall diese nicht mehr aufnehmen konnten. Die Unglücklichen mussten auf dem Inn nach Bayern verschifft werden. Die hohen Verluste erzeugten besonders bei den Franzosen Unmut über die gewählte Strategie. Die Tiroler, bei aller Erbitterung gegen die Bayern, lenkten ihre scharfzielenden Kugelbüchsen doch vorzüglich gegen die französischen Fremdlinge, weshalb diese weit höhere Verluste zählten, als die Bayern. Alleine bis zum 12. Juli beklagten die Franzosen über 3.000 Tote oder Verwundete.

Indes hatte der Kurfürst eingesehen, dass die Reiterei gegen die Tiroler am Brenner nichts ausrichten könne und man beschloss, diese nach Bayern zurück zu ziehen, sobald weitere viertausend Mann Infantrie zur Verstärkung eingelangt wären. Da häuften sich Mitte Juli die Streitkräfte der Landesverteidiger am Brenner und diese begangen so gewaltigen Druck auszuüben, dass sie die Bayern und Franzosen aus ihren Stellungen vertreiben und diese bis Stafflach, einem Ortsteil von Steinach, zurück werfen konnten. Kurfürst Max Emanuel entschloss sich daraufhin, an der Spitze des Groß der noch zwischen Innsbruck und Hall stehenden Truppen persönlich den Durchbruch am Brenner anzuführen. Am 19. und 20. Juli brach er mit weiteren rund 3.500 Soldaten ins Wipptal auf. Ein Generalangriff war für die Nacht vom 21. auf den 22. vorgesehen. Da ereilte Max Emanuel die Kunde vom Aufstand im Unterinntal.

Plan zum allgemeinen Aufstand

Im Süden der Grafschaft besaß der „Landeshauptmann an der Etsch“ Vertretungsfunktion für den Landesfürsten und Leitungsfunktion für die Landesverteidigung. Landeshauptmann war in diesen Tagen Sebastian Johann Georg Graf von Künigl. Noch am 27. Juni hatte er sich zur Beratung zu seinem Bruder, Kaspar Ignaz Graf von Künigl, Fürstbischof von Brixen, begeben. Weiters trafen dort zur Beratung von Verteidigungsmaßnehmen ein: der Bruder der beiden, Bernhard Graf von Künigl, Graf Christoph Franz von Wolkenstein, Graf Paris von Lodron, Paul Andreas Freiherr von Troyer und andere. In Bozen hatte sich ein zweiter derartiger Ausschuss unter dem Vorsitz des Landeshauptmannschafts-Verwalters Graf Dominik von Wolkenstein gebildet und dieser Ausschuss unterhielt noch eine Filiale in Meran. Der Kaiser bestätigte mit Verfügung vom 30. Juni 1703 diese neuen Befehlsstrukturen und er verlieh dem Ausschuss in Brixen den Titel eines „Interimsdirektoriums“. Dieses wurde von jedem Gehorsam gegenüber den in bayrischer Hand befindlichen Regierungsstellen in Innsbruck entbunden. Der Landeshauptmann wurde als neuer Träger der landesfürstlichen Befehls- und Zwangsgewalt für alle Bereiche der Landesverwaltung installiert. Im Verein mit dem Fürstbischof von Brixen, den Etsch-, Eisack- und Pustertalervierteln sowie allen nicht unterjochten Ständen und Untertanen, sollten durch alle geeigneten Maßnahmen das Vordringen des Feindes verhindert, die Zugänge nach Italien gesperrt und die freie Verbindung über das Pustertal gerettet werden. Vergleichbare Aufforderungen versandte der Kaiser an die Fürstbischöfe von Trient und Brixen sowie an die treu gebliebenen Stände und Viertel. Damit wurde Brixen zum Zentrum des Widerstandes, von wo aus die Vernichtung der Angreifer geplant wurde.

Die Installierung einer neuen Landesführung durch den Kaiser sowie seine Sendschreiben an die diversen Gerichte auch im Inntal, blieben nicht ohne Wirkung. Einzelne wie der Bauer Christian Koidl von Jochberg, hatten im Unterland bereits Vorarbeit geleistet. Er zog von einem Gericht zum anderen, um seine Nachbarn zur Treue an das Fürstenhaus und zum Widerstand aufzurufen. Als Ausschussmann begab er sich über das Ziller- und Ahrntal nach Brixen zum Landeshauptmann, um Instruktionen zu erbitten. Gleiches geschah von Seiten anderer Gerichtsausschüsse. Das Interimsdirektorium fasste folgenden Plan: Am Brenner sollte durch einen heftigen Angriff der Zuzug möglichst großer Kräfte des Feindes und ein persönliches Einschreiten des Kurfürsten motiviert werden. Sobald der Kurfürst zum Brenner abmarschiere, sollte sich das Inntal erheben, dem Feind die festen Stellungen wegnehmen und den Rückzug aus dem Wipptal versperren.

Die glänzenden Erfolge der eigenen Leute im Oberinntal und jenseits des Brenners erzeugten überall die Begierde zum Aufstand. In aller Stille organisierten Männer wie der bereits erwähnte Bauer Johann Koidl von Jochberg oder der Bierbrauer Jakob Bartl von Schwaz, im Inntal die Vorbereitungen für den Gegenschlag. Am Brenner tat man gleichzeitig das Äußerste, um die Aufmerksamkeit des Kurfürsten dorthin zu lenken. Um den 15. Juli begann man die Mannschaften massiv zu verstärken und einen Großangriff vorzubereiten, der am 17. Juli erfolgte. 500 Knappen von den Bergwerken Gossensaß und Schneeberg hatte unter der Leitung des Anton Wenzl teils durch Schanzen, teils durch Sprengen der Straßen, den Schützen ein kaum angreifbares Lager verschafft. Der Lehnerwirt am Brenner leistete durch Ortskunde und unermüdliches Schaffen seinen Leuten den Vorteil, alle denkbaren Wege auszunützen und diese für feindliche Boten und Spione zu versperren. Die Pustertaler Aufgebote unter ihren Anführern Freiherr Franz Anton von Winkelhofen, des Pflegers zu Heimfels Jakob Christoph von Troyer, des Pflegers zu Rasen Johann Leis sowie des Gerichtsschreibers zu Anras Anton Mayr, taten sich durch besondere Tapferkeit hervor.

Entscheidend war, den Feind nicht nur von vorn, sondern auch von den Seiten anzugreifen. Unter der Führung des Baron Andreas Flugi von Aspermont überstieg eine große Schar Scharf- und Scheibenschützen die sog. Geigen links und rechts des Überganges am Brenner; so kamen diese auf die Höhen von Stafflach hinunter. Am 17. Juli wurden die von der Brennerkirche bis hinunter nach Steinach der Straße entlang aufgestellten bayrisch-französischen Truppen den ganzen Tag unter Feuer genommen und schließlich vom Brenner bis Luegg hinabgedrängt. Alleine am 17. Juni verlor der Feind 700 seiner Soldaten. Den Ruf als die besten Schützen erwarben sich die Sarner. Der erste unter den Sarner Schützen hatte alleine dem Feind an diesen Tagen 52 Soldaten weggeschossen.

Das Inntal erhebt sich zum Gegenschlag

Der Aufbruch des Kurfürsten zum Brenner gab die Losung zum allgemeinen Aufstand. Sogleich erhoben sich die Knappen und Bauern in der Gegend von Schwaz und im Gericht Rettenberg. Ihnen schlossen sich 1.000 Zillertaler an sowie die Leute der Herrschaft Rottenburg. Die Festung Rattenberg und das Schloss Kropfsberg wurden überrumpelt und die Besatzungen samt den Kommandanten gefangen genommen. Daraufhin sammelten sich diese Truppen an der Volderer Brücke. Sie erhielten Verstärkung durch 4.000 Mann aus den Gerichten Rotholz, Schwaz, Rattenberg und Thaur. Die im Wiltener Lager verbliebenen Bayern und Franzosen versuchten vergeblich, den Angriff auf Hall als „Residenz der Besatzungsmächte“ zu verhindern. Ihr Widerstand wurde überwunden. Viele Franzosen und Bayern in der Stadt wurden teils entwaffnet und gefangen genommen, teils erschossen oder erschlagen. Die Verluste der Bayern beliefen sich auf rund 100 Man insgesamt. Die Leichen warf man teils in die aufgelassene Zisterne des Haller Zeughauses im Agrarsturm; als darin später ein Gasthaus eröffnet wurde, nannte man es „Geisterhaus“. Nach der Befreiung von Hall zogen 2.000 gut bewaffnete Bauern gegen Innsbruck und nahmen bei Mühlau Stellung ein. Damit hatte am 21. Juli das mittlere Unterinntal seine Freiheit erlangt.

Während all das im Unterinntal geschah, rüstete Kurfürst Max Emanuel zum Generalangriff auf die Stellungen der Tiroler am Brenner. Da trafen am Abend des 21. Juli die Nachrichten aus dem Inntal ein. Ein Kurier nach dem anderen kam mit Hiobsbotschafen daher gesprengt: Soldaten als Bauern verkleidet hätten die Vorhut in Zirl überrumpelt und erschlagen, die Besatzung aus Scharnitz vertrieben und diejenigen von Hall samt dem General Graf de Verita in Stücke gehauen. Der Aufstand weite sich von Stunde zu Stunde aus; man trachte danach, dem Kurfürsten von allen Seiten den Ausgang aus Tirol zu sperren. Max Emanuel musste zähneknirschend der Gefahr ins Auge sehen, die sich über seiner Armee zusammen braute. Er wollte ihr ein Schicksal ersparen wie dem Expeditionskorps zwischen Pontlatz und Landeck widerfahren. Unverzüglich sandte der seine Dragoner voraus Richtung Innsbruck, um Schönberg zu besetzen und die Ausgänge in das Inntal zu sichern. Am Brenner beließ er Sicherungstruppen und gab den Befehl zum Rückzug Richtung Innsbruck, wo er am Abend des 22. Juli eintraf. Ursprünglich stand sein Sinn danach, eine Strafexpedition gegen Hall zu führen und die Stadt als abschreckendes Beispiel in Schutt und Asche zu legen. Die von allen Seiten anrückenden Aufgebote überzeugten ihn eines Besseren: Als ersten Schritt zur Rückeroberung Tirols beschloss er, die bei der Martinswand eingerichtete Schanze zu erobern und den Verbindungsweg nach Bayern über Scharnitz frei zu kämpfen.