1519: Der Liebhaber Tirols verstirbt

Vor 495 Jahren, am 12. Jänner 1519, verstarb der „Liebhaber Tirols, Maximilian I. Kaiser des Hl. Römischen Reiches, deutscher König, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, zu Lothringen, zu Brabant, zu Steyr, zu Kärnten, zu Krain, &c. Graf zu Habsburg, zu Flandern, zu Görz, &c und nicht zuletzt Landesfürst und Graf zu Tirol, im 59. Lebensjahr in Wels. 32 Jahre lang hatte er als deutscher König führend die Geschicke Europas mitbestimmt; 28 Jahre lang hatte er als Landesfürst Tirol regiert und reformiert.
Vor 495 Jahren, am 12. Jänner 1519, verstarb der „Liebhaber Tirols, Maximilian I. Kaiser des Hl. Römischen Reiches, deutscher König, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, zu Lothringen, zu Brabant, zu Steyr, zu Kärnten, zu Krain, &c. Graf zu Habsburg, zu Flandern, zu Görz, &c und nicht zuletzt Landesfürst und Graf zu Tirol, im 59. Lebensjahr in Wels. 32 Jahre lang hatte er als deutscher König führend die Geschicke Europas mitbestimmt; 28 Jahre lang hatte er als Landesfürst Tirol regiert und reformiert.

 

Ganz im Stil der heutigen Zeit stehen beim Andenken an Kaiser Max nicht seine Großtaten für die Tiroler Wirtschaft, für die Tiroler Kunst und für die Kultur in unserem Land im Vordergrund, sondern des Kaisers Jagdbegierde und das üble Gerücht, dass die Innsbrucker Wirte dem Kaiser bei seinem letzten Aufenthalt in Tirol im Herbst 1518 die Aufnahme verweigert hätten. Dies angeblich wegen unbezahlter Schulden. Diese Legende ist eine Verleumdung des großen Kaisers Max, des Liebhabers von Tirol.

Ausschusslandtag 1518 in Tirol

Der Kaiser hatte nach dem Ende des sog. Venezianerkrieges Ausschüsse aller österreichischen Landschaften zu einem gemeinsamen Landtag nach Innsbruck berufen. Dieser Ausschusslandtag hatte sich mit Sondersteuern zur Verteilung der Kriegsschulden zu befassen, mit Behördenreformen, mit einer Defensionsordnung für alle Erbländer nach dem Vorbild des Tiroler Landlibells 1511 und diversen Beschwerden wegen Verwaltungs- und Regierungsmissständen. Der Ausschusslandtag tagte von Jänner 1518 über mehre Monate. Kaiser Max hatte den Landtag am 24. Mai verlassen, um sich zum Reichstag zu Augsburg zu begeben, der von Juli bis Oktober 1518 tagte. Auf dem Weg zum Augsburger Reichstag sah Kaiser Max eine ringförmige Sonnenfinsternis, die ihm sein Arzt und Astronom Georg Tannstatter schon im Jahr 1512 als schlechtes Omen vorausgesagt hatte. Todesahnungen begangen den Kaiser zu erfassen, zumal er in den letzten Jahren häufig gekränkelt hatte und vermutlich an einer chronischen Halsentzündung litt.

Von Augsburg reiste der Kaiser in einer Sänfte – reiten konnte er zu dieser Zeit nicht mehr – nochmals zu seinem geliebten Schloss Fragenstein bei Zirl in Tirol, seiner heimlichen Residenz, wo er bei 36 Besuchen als Tiroler Landesherr insgesamt drei Jahre und acht Monate gewohnt hatte. Als Kaiser Max Fragenstein verließ um über das Salzkammergut nach Wels und Linz weiter zu reisen, streuten seine Höflinge das Gerücht, dass der Kaiser über die Innsbrucker Räte verärgert sei. Diese hätten pflichtvergessen die Rechnungen vom Ausschusslandtag noch nicht erledigt. Deshalb hätten die Innsbrucker Wirte dem Tross des Kaisers die Aufnahme verweigert.

Üble Gerüchte von der Aussperrung des Kaisers

Von einer Aussperrung des kaiserlichen Trosses konnte freilich gar keine Rede sein; nur einige Pferde hatten in den Innsbrucker Stallungen nicht mehr untergebracht werden können. Ungeachtet dessen sandten die besorgten Innsbrucker Räte dem Kaiser Boten nach, um allfällige Missverständnisse aufzuklären. Kaiser Max versicherte den Boten freilich, dass von einer Verärgerung keine Rede sein könne und dass an dem Gerücht nichts dran sei. Am 9. November schrieb er von Kufstein nach Innsbruck, dass er bald nach der heiligen Weihnachtszeit – so Gott das wolle – wieder nach Innsbruck kommen werde. Aber der Tod war schneller: Als Kaiser Max am 10. Dezember in Wels ankam und auf seiner dortigen Burg Quartier nahm, war seine letzte Reise zu Ende: Der Kaiser war schwer krank und konnte das Bett nicht mehr verlassen. Trotzdem führte er die Amtsgeschäfte weiter.

Tod in der Welser Burg

Am 1. Jänner 1519 empfing er eine Englische Gesandtschaft, wofür er ein letztes Mal von seinem Krankenlager aufstand. Der Kaiser ließ sich täglich zur heiligen Messe tragen und er wollte, dass man ihm aus der Leidensgeschichte Christi vorlas – und aus der von ihm selbst beauftragten „Chronik der habsburgischen Sipp- und Magschaft“ über die Heiligen und Seligen unter Maximilians Vorfahren. Nachdem Maximilian am 11. Jänner die letzte Ölung empfangen hatte, übergab Maximilian sein Siegel dem Abt von Kremsmünster zu treuen Handen, er tröstete die Umstehenden und bat um Verzeihung für allfälliges Unrecht. Er wies alle an, in nicht mehr als „Kaiser“ anzusprechen. Die aus Wien und Mailand herbeigerufenen Ärzte konnten nicht mehr helfen. Am 12. Jänner 1519, drei Stunden nach Mitternacht, erlosch das Leben des großen Kaisers, der Tirol über alles in der Welt geliebt hatte.

Kaiser Maximilians Wirken in Tirol

Kaiser Max hatte Innsbruck zu einer Stätte der Kunst gemacht. Die Kunstwerke, die er entweder selbst hier ausführen ließ oder zu denen er seine Nachfolger veranlasste, erregen noch heute die Bewunderung der Welt. Dies gilt namentlich von seinem prachtvollen Grabmal, einer Zierde der Hofkirche. Die meisten der großen Erzfiguren gingen aus der berühmten Erzgießerei hervor, die er zu Mühlau errichtete, denn diese goss nicht bloß „Donnerbüchsen und Karthaunen“, sondern auch die großartigsten Kunstwerke. Zu deren Ausführung ließ Maximilian berühmte Künstler aus München und Nürnberg kommen. So berief er die Meister Gilg Seßschreiber und Stefan Godl nach Tirol. Diese beiden, des ersteren Sohn Christoph und Schwiegersohn Sebastian Aeußerer sowie der berühmteste Erzgießer Deutschlands, Peter Vischer von Nürnberg, schufen die ersten und besten der genannten Standbilder. Maximilian dachte sogar einmal daran, eine förmliche Kunstschule der Erzgießerei für Tirol zu errichten. Gleichzeitig verfertigten die Harnisch-Schläger in der Plattnerei zu Innsbruck so prachtvolle Harnische und Helme, dass selbst die Könige von England und Spanien dort Bestellungen machten. Außer den Gießern in Mühlau und den Plattnern in der Neustadt beschäftigte Kaiser Max eine große Menge von Bildhauern und Malern. Nicht weniger als für Malerei und Bildhauerei war Maximilian für die Baukunst eingenommen. Er ließ in Innsbruck eine neue Burg, einen Turm am Ausgang der Stadt in die Vorstadt bauen, die Häuser mit Zinnen versehen und die Straßen pflastern. Burgen und Schlösser, die er von Erzherzog Sigismund ererbte, renovierte und befestigte er. Auch gab er manchen Beitrag zum Bau von Kirchen und zu deren Ausstattung. Seine Baulust und sein Kunstsinn regten sehr an. Unter seiner Regierung wurden eine Menge prachtvoller Kirchen und Gotteshäuser aufgeführt oder vollendet wie z.B. die Schwazer Kirche, die Sterzinger Kirche, die Seefeldner, die Nauderer Kirche, der berühmte Turm zu Bozen. Auch die privaten Bauherrn wollten Kaiser Max nacheifern. Der Kaiser huldigte aber auch der Poesie. Er selbst entwarf den Plan zu den Romanen „Theuerdank“ und „Weißkönig“, die sein Leben und seine Taten darstellen. Er ließ den Tiroler Kammerschreiber Johann Ried das Heldenbuch abschreiben, eine Sammlung von 23 Dichtungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die eine sehr wertvolle Zierde der Ambraser Sammlung wurde. Sein Sammlereifer spornte Adel und Geistlichkeit an. Es entstanden die ersten größeren Tiroler Privatbibliotheken.

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Fortsetzung:

Der Kaiser und die Schwarzen Mander

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MP