Der Tiroler liebster Erzherzog

Erzherzog Johann Baptist Josef Fabian Sebastian von Österreich – kurz: Erzherzog Johann (* 20. Januar 1782 in Florenz; † 10. Mai 1859 in Graz) war ein Mitglied des Hauses Habsburg, österreichischer Feldmarschall und in der Revolutionszeit von 1848/1849 deutscher Reichsverweser, Naturforscher, Sammler und Erneuerer. Johann war das 13. Kind und der neunte Sohn von Großherzog Leopold von Toskana, dem späteren Kaiser Leopold II. Bereits als Jugendlicher zeigte er großes Interesse an den Alpenländern, bestärkt und beeinflusst durch den Historiker Johannes von Müller. Geschichte, soziale Fragen, Militär- und Naturwissenschaften faszinierten und beschäftigten ihn sein Leben lang. Er sammelte Mineralien, war Alpinist und Jäger, Landwirt, Weinbauer, Industrieller und Mäzen. Am 18. Februar 1829 heiratete er zu mitternächtlicher Stunde in der hauseigenen Kapelle die Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl. Der einzige Sohn aus dieser Ehe und Erbe des Erzherzogs, Franz, wurde 1839 geboren; 1845 wurde diesem der vererbbaren Titel „Graf von Meran“ verliehen.  Erzherzog Johann kam im September 1800 erstmals nach Tirol und damit begann „jene unveränderliche und unerschütterliche Liebe, welche diesem Land erwiesen und die von demselben treu erwidert wurde“! Als nach dem Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 Tirol an Bayern kam, organisierte der Tiroler Freiherr Josef von Hormayr von Wien aus mit Hilfe von Erzherzog Johann den Gebirgs- und Volkskrieg mit Andreas Hofer an der Spitze.  1812 überzeugte Hormayr Johann von neuen Aufstandsideen. Im Alpenbund sollten alle Alpenländer zu einem Volksaufstand gegen Napoleon aufgerufen werden. Da sich das Kaiserreich Österreich nach dem Frieden von Schönbrunn mit Napoleon gezwungenermaßen ausgesöhnt hatte, mussten die Vorbereitungen auch gegenüber dem Kaiserhaus geheim bleiben.  Der Alpenbund wurde jedoch verraten und Johann als Möchtegern-König eines „Reiches Rätien“ denunziert. Hormayr wurde 1813 verhaftet und musste eine Festungshaft verbüßen. Erzherzog Johann wurde von Kaiser Franz I. verboten, Tirol zu betreten. Dieses kaiserliche Verbot wurde erst 1833 aufgehoben.
Erzherzog Johann Baptist Josef Fabian Sebastian von Österreich – kurz: Erzherzog Johann (* 20. Januar 1782 in Florenz; † 10. Mai 1859 in Graz) war ein Mitglied des Hauses Habsburg, österreichischer Feldmarschall und in der Revolutionszeit von 1848/1849 deutscher Reichsverweser, Naturforscher, Sammler und Erneuerer. Johann war das 13. Kind und der neunte Sohn von Großherzog Leopold von Toskana, dem späteren Kaiser Leopold II. Bereits als Jugendlicher zeigte er großes Interesse an den Alpenländern, bestärkt und beeinflusst durch den Historiker Johannes von Müller. Geschichte, soziale Fragen, Militär- und Naturwissenschaften faszinierten und beschäftigten ihn sein Leben lang. Er sammelte Mineralien, war Alpinist und Jäger, Landwirt, Weinbauer, Industrieller und Mäzen. Am 18. Februar 1829 heiratete er zu mitternächtlicher Stunde in der hauseigenen Kapelle die Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl. Der einzige Sohn aus dieser Ehe und Erbe des Erzherzogs, Franz, wurde 1839 geboren; 1845 wurde diesem der vererbbaren Titel „Graf von Meran“ verliehen.
Erzherzog Johann kam im September 1800 erstmals nach Tirol und damit begann „jene unveränderliche und unerschütterliche Liebe, welche diesem Land erwiesen und die von demselben treu erwidert wurde“! Als nach dem Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 Tirol an Bayern kam, organisierte der Tiroler Freiherr Josef von Hormayr von Wien aus mit Hilfe von Erzherzog Johann den Gebirgs- und Volkskrieg mit Andreas Hofer an der Spitze.
1812 überzeugte Hormayr Johann von neuen Aufstandsideen. Im Alpenbund sollten alle Alpenländer zu einem Volksaufstand gegen Napoleon aufgerufen werden. Da sich das Kaiserreich Österreich nach dem Frieden von Schönbrunn mit Napoleon gezwungenermaßen ausgesöhnt hatte, mussten die Vorbereitungen auch gegenüber dem Kaiserhaus geheim bleiben. Der Alpenbund wurde jedoch verraten und Johann als Möchtegern-König eines „Reiches Rätien“ denunziert. Hormayr wurde 1813 verhaftet und musste eine Festungshaft verbüßen. Erzherzog Johann wurde von Kaiser Franz I. verboten, Tirol zu betreten. Dieses kaiserliche Verbot wurde erst 1833 aufgehoben.

 

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Erzherzog Johann, der Tiroler liebster Erzherzog

ERZHERZOG HOHANN, ein fürstlicher Volksmann wie kein Zweiter, hat ein halbes Jahrhundert lang Tirols Schicksal mitbestimmt, Tirols Leid mitempfunden, an seinem kulturellen Aufstieg teilgenommen, sein Volks- und Schützenleben gefördert, seine Berge erstiegen und sich im Herzen Südtirols, nahe der Stammburg der Grafen von Tirol, ein „Altersheim“ erworben, Schloss Schenna. Und er hat in der Nähe von Schloss Schenna sich ein „Mausoleum“ erbauen lassen, wo der Tiroler liebster Erzherzog im ewigen Schlummer liegt. Erzherzog Johanns Beziehungen zu Tirol reichten vom Jahr 1800 bis zu seinem Tod am 11. Mai 1859, sie sind in den Tagebüchern und Denkwürdigkeiten des Fürsten ausführlich geschildert.

Als 13. Kind des Großherzogs von Toskana, des späteren Kaiser Leopold, am 20. Jänner 1782 in Florenz geboren, kam Erzherzog Johann, der als 18-jähriger Oberbefehlshaber im zweiten Koalitionskrieg bei Hohenlinden unglücklich gegen den französischen Feldherrn Moreau gefochten hatte, zum ersten Mal im Herbst 1800 nach Tirol. Er besuchte seine Tante, Erzherzogin Elisabeth, im Volksmund „Kropferte Liesl“ genannt, die damals in Innsbruck als Äbtissin des Damenstiftes wirkte und er verband als „Generaldirektor des Fortifikations- und Geniewesen“ damit eine Inspektionsreise zu den Hauptpässen an Tirols Nordgrenze. Johann wollte das Tiroler Verteidigungswesen studieren. In Seefeld traf Erzherzog Johann mit Josef Freiherr von Hormayr und mit dem damaligen Landeskommandierenden, General Chastler, zusammen, die beide später im Jahr 1809 in Tirol noch besondere Rollen spielen sollten.
Beraten und unterrichtet vom kenntnisreichen Josef Hormayr, entzündete sich das Herz des Erzherzogs für Tirol, seine Berge und sein Volk. Neben den Aufgaben der Landesverteidigung, für die Johann Pläne zu einer organisierten Volksbewaffnung, zur Errichtung von neuen Festungen an den Wasserscheiden von Rienz, Eisack, Inn und Etsch ausarbeitete (die Errichtung der Franzensfeste geht auf die Pläne von Erzherzog Johann zurück), lag Erzherzog Johann die Landes- und Volkskunde besonders nahe. Ihrer Erforschung widmete der Erzherzog alle erreichbaren Mittel. Er studierte die Tiroler Mineralogie und Botanik, Sitten, Gebräuche, Trachten, Industrie und Bildung – bei den Berg- und Talbewohnern. Schon im Jahr 1800 hatte die Universität Innsbruck, das besondere Interesse Erzherzog Johanns für Tirol würdigend, dem Prinzen zum „ständigen Rektor“ ernannt. Erzherzog Johann plante, hocherfreut über diese Ehrung, die Zuwendung seiner ausgebreiteten naturwissenschaftlichen, historischen und volkskundlichen Sammlungen an die Universität Innsbruck. Die Abtretung Tirols an Bayern im Jahr 1805 und seine spätere Fernhaltung von Tirol über Betreiben von Kanzler Metternich (Anlastung einer angeblichen Verschwörung) haben diese großzügige Schenkung verhindert. Heute erfreut sich Steiermark bzw. seine Hauptstadt Graz im „Johanneum“ der kostbaren Sammlungen, die eigentlich für Tirol bestimmt gewesen wären.

Auf seinen ersten Reisen durch Tirol passierte Erzherzog Johann auch den Vinschgau und die Quellen der Etsch. Das eisschimmernde Haupt des „Orteles“, wie man damals den Ortler nannte, weckte seine Liebe zur Bergwelt und den Drang ihrer Erforschung. Der junge Fürst ruhte nicht, ehe auf seine Anregung und durch seine Förderung die Erstbesteigung des Ortlers am 28. September 1804 durch den Passeirer Gemsenjäger Johann Bichler vulgo „Pseier Josele“ glücklich durchgeführt wurde. Im gleichen Jahr lernte der Erzherzog auf seiner Fahrt durch Passeier zum ersten Mal den Sandwirt Andreas Hofer kennen, mit den ihn vertraute Beziehungen bis zur Tragödie des Jahres 1809 verbanden.

Im Feldzug 1805 leitete Johann als Kommandant die Verteidigung des Landes, bis in die Niederlage der Hauptarmee bei Ulm am 18. Oktober 1805 zum Rückzug und zur Vereinigung seiner Streitkräfte mit denen seines Bruders, des Erzherzog Karls, zwang. Damals nahm Johann auf den Brenner und im Pustertal bewegt Abschied von den Tirolern, nicht ahnend, dass er das geliebte Land jahrzehntelang nicht wiedersehen sollte. Am 4. November 1805 brach der Prinz in seinen Abschiedsworten zu Bruneck die Versicherung aus, „dass gewiss die Zeit kommen wird, wo mir das hohe Vergnügen zuteil werden wird, mich wieder mit und unter euch zu befinden“. Durch den Frieden von Pressburg musste Tirol an Bayern abgetreten werden, aber auch in den folgenden Jahren rissen die Fäden zwischen Erzherzog Johann und seinen Tiroler Vertrauten nicht ab. Josef Hormayr wirkte damals als Archivdirektor in Wien und wusste er den Erzherzog über alle Geschehnisse in Tirol am Laufenden zu halten. Erzherzog Johann widmete sich in jenen Jahren des Friedens vorwiegend wissenschaftlichen und volkskundlichen Studien, dabei ließ er aber die zukünftige politische Gestaltung Europas nie aus den Augen.

In dem Plan Österreichs, im Jahr 1809 den Kampf gegen Frankreich wieder aufzunehmen, sollte Tirol eine besondere Rolle spielen. Der Vermittler zwischen dem Kaiser und den Abgesandten der Tiroler war Erzherzog Johann, dessen Persönlichkeit im Land das größte Vertrauen genoss. Altbekannt sind die Verhandlungen der Tiroler Deputierten, darunter Andreas Hofer, die in den ersten Monaten des Jahres 1809 heimlich nach Wien reisten und dort durch Vermittlung ihres Landsmannes, des kaiserlichen Büchsenmachers, Anton Steger, mit Erzherzog Johann in Verbindung traten. Johann stand als Vertreter des Hofes und als Volksfreund an der Wiege der Volkserhebung, er leitete von Wien aus alle Vorbereitungen, erließ Aufrufe und korrespondierte eifrig mit den Häuptern der Bewegung und den Kommandanten der militärischen Hilfstruppen. Seine Person war den Tirolern der beste Garant für die Billigung und Unterstützung des Aufstandes durch Österreich. Wenn der Bruder des Kaisers, der allverehrte „Prinz Hannes“ zu den Waffen rief, dann war ja die Erhebung vom ehemaligen Landesherrn gewissermaßen legalisiert. Wie gefährlich aber dieser Optimismus war und wie tief Erzherzog Johann durch seine Doppelstellung mit in die Tragödie des Tiroler Befreiungskampfes verstrickt wurde, zeigt das verhängnisvolle Handbillet aus Wolkersdorf vom 29. Mai 1809, worin Kaiser Franz I. in der Siegesfreude nach Aspern den Tirolern feierlich versprach, dass das Land „nie mehr von dem Körper des österreichischen Kaiserstaates getrennt werde“ und er, der Kaiser, keinen anderen Frieden unterzeichnen werde als den, der dieses Land an die Monarchie unauflöslich verknüpfe.

Erzherzog Johann erschien diese Zusage voreilig und fürchtete die Gefahr, dass der Monarch eines Tages wortbrüchig werden könnte; er kam deshalb dem Befehl, das Handbillet nach Tirol zu expedieren, auf eigene Gefahr nicht nach. Dass das Wolkersdorfer Handbillet trotzdem nach Tirol kam und dort bei der bäuerlichen Bevölkerung das Vertrauen auf Österreich erst recht stärkte, war das Werk Josef Hormayrs. In dem gleichen Handbillet versprach der Kaiser, dass sich sein lieber Herr Bruder, der Erzherzog Johann, so bald als möglich nach Tirol begeben werde, um so lange der Anführer und Beschützer seiner treuen Tiroler zu sein, bis alle Gefahren von der Grenze der Grafschaft Tirols entfernt seien!

Auch dieses kaiserliche Wort, das einen Herzenswunsch der Tiroler erfüllt hätte, wurde nicht zur Wirklichkeit. Erzherzog Johann, der als Kommandant der Südarmee bei Sacile siegreich gegen den Vizekönig Beauharnais gekämpft hatte, musste die Absicht, mit einem Teil seines Heeres zur Unterstützung des Freiheitskampfes nach Tirol zu ziehen, im Verlauf der Ereignisse aufgeben, um sich mit der Armee des Generalissimus Erzherzog Karl zu vereinigen. Johann hatte mit Recht der Kraft des kaiserlichen Versprechens misstraut; wenige Monate später, am 12. Oktober 1809, musste der Frieden von Schönbrunn geschlossen und darin Tirol, das dreimal siegreiche Land, den Feinden überlassen werden – freilich unter dem Zwang übermächtiger Verhältnisse. Dem treuen Freund Tirols mag das Herz geblutet haben, als die traurige Friedensbotschaft in seinem Schreiben vom 21. Oktober bekräftigen musste: „… die Nachricht des abgeschlossenen Friedens wird nun auch bis zu Euch gelangt sein. Ich muss Euch solche auf allerhöchsten Befehl bestätigen. Alles würde der Kaiser getan haben, um die Wünsche des Landes in Erfüllung zu bringen. Allein so nahe dem Kaiser das Schicksal der Bewohner des Landes geht, so ist doch die Notwendigkeit eingetreten, Frieden zu machen. Ich setze Euch hierüber auf allerhöchsten Befehl mit dem Beisatz in Kenntnis, dass der Wunsch Seiner Majestät dahin geht, dass die Tiroler sich ruhig verhalten und sich nicht zwecklos aufopfern mögen“.

War es ein Wunder, wenn die verzweifelten Tiroler diesen ungewohnten Worten ihres Prinzen Hannes nicht mehr glaubten, denen ja ein feierliches kaiserliches Wort entgegenstand? Wie der Erzherzog in jenen Tagen fühlte und wie er die Politik des Wiener Hofs verurteilte, zeigen seine Tagebucheintragungen: „Wo blieb denn Euer Mut, Euer Selbstgefühl, dass Ihr dem Feind so alles geben musstet? Wo dachtet Ihr denn hin, als Ihr Tirol verließet, war dies der Lohn für die bewiesene Treue? Wo war Euer Stolz, das Gefühl der alten Redlichkeit, dass Ihr dieses Volk des Feindes Rache überließet…“ Und wenige Jahre später schreibt der Erzherzog: „Zweimal erhob sich Tirol auf sein des Kaisers Wort, um seinem Herrn zu dienen, zweimal beruhigte es sich wieder, unbesiegt, auf sein Wort. Ein Wunder, dass er bei dieser Unternehmung nicht Glauben und Vertrauen bei ihnen verloren. Ein drittes Mal sie hintergehen, um Ruhe zu erhalten, das Werkzeug des Despotismus sein, gegen die Freiheit arbeiten, nimmermehr! Ich bin frei geboren, ich will redlich sterben. Ich beuge mich vor niemandem als vor Gott und meinem rechtmäßigen Fürsten, schätze die Ehre auf das Höchste. Für Freiheit gegen allgemeine Unterdrückung kämpfen, in Gottes Namen, aber sonst nicht! Will man mich zwingen, wohlan, so gehe ich, dann aber lebe wohl, Österreich, ich bleibe in Tirol und rette oder falle mit diesem Volke.“ Wie unerschütterlich trotz aller Schicksalsschläge das Vertrauen des Sandwirts auf den Erzherzog war, beweist der ergreifende letzte Brief Andreas Hofers, den er 48 Stunden vor seiner Gefangennahme auf der Pfandler Alm am 26. Jänner 1810 an Erzherzog Johann, den das ganze Land seinen „Vater nennt“, sandte, freilich zu spät, um das Schicksal Tirols und seines Oberkommandanten zu wenden.

In den Jahren nach 1809 wandte sich Johann, jetzt ohne militärische Aufgaben, der Befreiungsidee der von Österreich losgerissenen Länder zu; im Geheimen entwarf Johann, dem schon die österreichische Landwehr ihren Bestand verdankte, neuerdings den Plan eines Volkskrieges in den Alpenländern für den Augenblick, da der Stern Napoleons erbleichen würde. Zum Zweck des Zusammenschlusses aller Kräfte wollte Erzherzog Johann im Jahre 1813, als die Aussichten auf einen erfolgreichen Befreiungskampf sich mehrten, die österreichischen Alpenländer in „Alpenbund“ vereinigen, indem er unter anderem schrieb: „Der Alpenbund ist der Name, welcher mir der zweckmäßigste erscheint, unbestimmt genug, um alle Alpen oder nur einen Teil in sich zu fassen. Der Zweck desselben ist Freiheit und eine den Verhältnissen des Landes sich anpassende Verfassung, Aufhebung alles Drückenden, Kampf gegen Übermacht und Anmaßung und Mitwirkung zur allgemeinen Beschleunigung eines dauerhaften Friedens. Ich, meines Teiles, trete als Führer auf, ohne Namen, ohne irgendeinen Verdacht zu erregen, als wolle ich mehr, als nach vollbrachter Tat und nach gemachtem Frieden in mein väterliches Haus, so wie ich war, zurückkehren. Uneigennützigkeit gewinnt Österreich, da es die Hoffnung erhellt, verlorene Länder ohne Zutun zu bekommen, gewinnt die Alliierten, gewinnt Deutschlands Fürsten, da es eine neue Erscheinung ist.“ Der Plan des „Alpenbundes“ war selbstverständlich geheim, Johann wollte nach seiner eigenen Versicherung nichts anderes, als Österreich, ohne dessen Zutun, die Alpenländer wieder zuführen, er suchte nichts für sich, sondern wollte nur durch diese Befreiungstat „seine Schuld an Tirol abtragen und Österreich nützen“. In seine Pläne weihte der Erzherzog nur einen engen Kreis von Vertrauten ein, wieder waren es in Wien lebende Tirol, Hormayr, der Hofkommissar und Intendant Anton von Roschmann, ferner der Führer der Vorarlberger Erhebung von 1809, Dr. Anton Schneider, der Badlwirt von Bozen, Josef Eisenstecken, Schützenmajor Rupert Wintersteller von Kirchdorf u.a.m.

Aus der Mitte seiner Vertrauten entstand dem Erzherzog ein Verräter; Anton von Roschmann hinterbrachte den Plan der Staatspolizei. Metternich zögerte nicht, das Gewebe rücksichtslos zu zerstören und den durch seine Volkstümlichkeit bei Hof nicht allzu beliebten Erzherzog Johann matt zu setzen. Am 7. März 1813 wurde Hormayr, Dr. Schneider und – zum Anschein – auch Roschmann verhaftet. Die beiden ersteren kamen auf den Spielberg, in das berüchtigte Staatsgefängnis bei Brünn. Der Erzherzog wurde vor den Kaiser gerufen, der bereits über die ganze „Verschwörung“ unterrichtet war. Um das Misstrauen des Monarchen aufs Höchste zu steigern, hatte man Kaiser Franz eingeflüstert, dass Erzherzog Johann den Alpenbund zu dem Zweck ins Leben gerufen hätte, um selbst als „König von Rätien“ über die Alpenländer zu herrschen.

Offiziell blieb es für den Erzherzog bei einer ernsten Verwarnung durch den Kaiser, tatsächlich wurde der Erzherzog wohl auf Anraten Metternichs, durch ein förmliches kaiserliches Interdikt vom Betreten der Alpenländer auf unbestimmte Zeit ferngehalten. In einer Tagebuchnotiz empört sich Prinz Hannes über das Schändliche der Verleumdung: „So war der Hannes und ist es geblieben, und doch, welche Verleumdung über ihn!“ Darunter, er wolle sich zum König der Gebirge machen. Wie konnte man mich für so töricht halten? Ich König? Der ich so gern meine Unabhängigkeit habe und einfach lebe.“

Auch nach der Wiedervereinigung Tirols mit Österreich blieb das Land dem Erzherzog versperrt. Er war von der Huldigungsreise des Kaisers im Jahr 1816 ausgeschlossen und der Wunsch Tirols, „dass decht dein Bruder, der Hannes, noch herkommen mecht“, blieb unerfüllt. Volle zwanzig Jahre durfte der Erzherzog Tirol nicht betreten, aber auch diese Verbannung vermochte seinen Wunsch für das geliebte Land zu wirken, nicht zu ersticken. 1814 lies Erzherzog Johann den Wiener Kongress ein eigenes Memorandum über die Verwaltung und die Bedürfnisse des Landes Tirol vorlegen, um die Aufmerksamkeit der Neuordner Europas auf Tirol zu lenken. Dieses „Promemoria“ liegt im Tiroler Landesmuseum mit dem eigenhändigen Vermerk des Erzherzogs „auf meine Veranlassung verfasst und dem Kongress vorlegt, aber nicht bedacht“! Erst 1833 hob Kaiser Franz, nachdem Metternich seine Zustimmung gegeben hatte, dass Interdikt gegen Erzherzog auf und er durfte wieder ungehindert und offen Tirol wiedersehen. Aus seinem Tagebuch ist ersichtlich, dass er schon vor dieser Zeit heimlich Tiroler Boden betreten hatte. Am 10. August 1832 hatte der Erzherzog nach Überquerung des Pasterzengletschers am Großglockner heimlich die Tiroler Grenze überschritten und war nach Kals gewandert, wo er unerkannt beim Oberwirt übernachtete. Am nächsten Tag, nachdem er sich zu erkennen gegeben hatte, kehrte er über den Kalsertauern wieder nach dem Salzburgischen Pinzgau zurück. In seinem Tagebuch schreibt er dazu: „Ich war wieder in Tirol, frei und ungehindert, dem Lande angehörend durch Erinnerung, Liebe und Treue, durch Besitztum, durch Weib und Kind, in dem Lande, von dem ich vor 15 Jahren, die mit ewigen Schnee bedeckten Tauern unerkannt überschreitend, eine Schachtel voll Erde holte, damit auf dieser einst mein Haupt im Grabe ruhte – wusste doch nicht, ob es mir noch einmal vergönnt sein werde, frei das Land Tirol zu betreten. So aber, wie es jetzt gekommen, hat es Gott herrlich gewendet und geführt.“

Von der Aufhebung des Interdikts an besuchte Erzherzog Johann fast alljährlich Tirol, befestigte seine Freundschaft mit den alten Kampfgefährten von 1809 und weihte besonders Andreas Hofer eine Verehrung, die sich in der Sammlung von Reliquien und Andenken äußerlich bekundete. Bei zahllosen Schützenfesten und Preisschießen war Prinz Hannes anwesend. Als am 2. Oktober 1842 in Innsbruck der Grundstück zum Museum Ferdinandeum gelegt wurde, war es Erzherzog Johann, der die Bestimmung des Hauses mit folgender Rede festlegte: „ Es sind nun 42 Jahre vorübergegangen, seit ich das erste Mal dieses Land betreten habe. Große Schicksale sind über uns gekommen, schwere Prüfungen hatten wir auszuhalten, Freuden und Leiden haben wir gemeinsam empfunden. Tirols ruhmwürdige Treue, Tirol ausdauernder Mut in jenen Tagen sind bekannt. Meine Herren des Museumvereins! sie werden durch gemeinschaftlichen Eifer dahin wirken, dass dieser Bau kein starres Behältnis toter Sammlungen wird, sondern eine Stätte lebendiger, wahrhaft nützlicher Tätigkeit. Kenntnisse mannigfaltiger Art sollen sich hier ausbilden und von da aus verbreiten und insbesondere so die Geschichte des Landes hier ihren Wohnsitz nehmen.“

Auch an der feierlichen Eröffnung des Museumsgebäudes am 15. Mai 1845 nahm Erzherzog Johann persönlich teil. Die Ferdinandeums- Bibliothek bewahrt aus seinem Nachlass die umfangreichen urkundlichen Sammlungen „Tirolenzia aus den Jahren 1809 und 1848“. Besonders festlich gestalltete sich der Besuch des Erzherzoges im Jahr 1845. Kurz vorher hatte Johann das Schloss Schenna bei Meran käuflich erworben, nun wollte er seiner Frau, der Postmeisters Tochter Anna Plochl und seinem Sohn seinen Tiroler Besitz zeigen. Die Reise über das Pustertal nach Innsbruck glich einem Triumpfzug. Im Juni 1846 unternahm der Erzherzog eine Hochgebirgswanderung durchs Ötztal und überschritt das Niederjoch um nach Meran zu kommen; sein Tagebuch erzählt Interessantes von dieser Bergfahrt.

In den bewegten Märztagen des Jahres 1848 weilte Johann wieder in Tirol und rief die Waffenträger auf zur Verteidigung der bedrohten Südgrenzen des Landes. An der Seite seines Neffen, des Kaisers Ferdinand, der von den Ausschreitungen der Wiener Revolution im Mai nach Innsbruck geflüchtet war, blieb der Erzherzog, bis ihn das Vertrauen der Nation zum deutschen Reichsverweser wählte und ihn nach Frankfurt am Main berief.

Nach dem der Erzherzog nach erfolglosem Bemühen, ein einiges Deutschland zu schaffen, sich von der Politik entgültig zurückgezogen hatte, verlebte er öfters als bisher seien Ruhetage in Tirol, in Schenna, wo er als Hausherr ein großes Festschießen gab, an dem Schützen aus dem ganzen Land teilnahmen. Noch als 76-jähriger Bestieg der greise Alpenfreund am 14. September 1858 die Hohe Salve. Im nächsten Jahr entschlief der Erzherzog am 11. Mai 1869 zu Grab. Seinem Wunsche folgend, errichtete sein Sohn Franz in der Nähe des Schloßes Schenna ein Mausoleum, in dem die irdische Hülle Erzherzog Johanns am 23. Juni 1869 feierlich beigesetzt wurde. Seine Frau Anna, die er sich einst aus dem Postmeister Haus von Aussee Heim geholt, folgte ihm am 4. August 1885 in den ewigen Frieden und ruht an seiner Seite auf Tiroler Boden.

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Aus:
Karl Paulin,
Tirolerköpfe. Ausgewählte zeitgeschichtliche Lebensbilder (1953) Seite 78 ff.

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MP