6000 Jahre Urlaub in Tirol

©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)
©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)

Sie kommen über die Berge, sie bezahlen keine Tourismusabgabe. Sie bleiben über den Sommer und verschwinden auf den verschlungenen Wegen, auf denen sie ins Land gekommen sind: tausende Südtiroler Schafe, seit bald 100 Jahren „Ausländer“ auf eigenem Grund und Boden.

©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)
©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)

Die Historiker gehen davon aus, dass die Bauern aus dem hinteren Vinschgau schon seit mindestens 6000 Jahren ihre Schafe über den Alpenhauptkamm zur Sommerweide ins Ötztal bringen. Aus diesem Grund besitzen sie umfangreiche Eigentumsflächen oberhalb von Vent und Gurgl.

©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)
©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)

Auch „Ötzi“, der Mann aus dem Eis des Similaungletschers, war auf den Pfaden der Schafhirten unterwegs, als ihn der Tod im Eis ereilte.

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©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)

Die Schäfer rüsten zum Abtrieb der Herden.

©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)
©Stephan Elsler, Schafe am Similaun (2004)

Dass die Routen der Schaftriebe schon seit mindestens 6000 Jahren genutzt werden, gilt heute als belegt. Auch der Fund des Mannes im Eis des Similaungletschers am Tisenjoch, das in der Nähe des Niederjochs liegt, kann in diesem Zusammenhang gesehen werden. Die Weiderechte Schnalser Bauern auf den Almen des Rofenbergs werden bereits in einem Dokument des Jahres 1357 bestätigt. Aus dem Jahr 1415 stammt ein das Niedertal betreffender Weiderechtsvertrag für den Zeitraum Mitte Juni bis Mitte September. Bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden sogar Rinder über die Pässe getrieben. Auch nach der Teilung Tirols am Ende des Ersten Weltkriegs blieb die Tradition des Schaftriebs erhalten. Die wirtschaftliche Bedeutung der Schaftriebe hat allerdings nachgelassen. Heute werden ungefähr 3.500 Schafe aus Schnals in die beiden Venter Täler getrieben, während es 1977 noch doppelt so viele waren. Im Oktober 2011 wurden die Tradition unter der Bezeichnung Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen von der Österreichischen UNESCO-Kommission in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Als Begründung wurde dabei neben der ökologischen vor allem die kulturelle Bedeutung genannt, die in grenzüberschreitenden Ritualen und Bräuchen (Festlegen der Weideplätze, gemeinsamer Kirchgang, …) und einer dadurch entstehenden „gemeinsamen regionalen Identität“ zum Ausdruck komme. Wikipedia:”Schaftrieb über den Ötztaler Alpenhauptkamm”.

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MP